aus der Reihe: Gottscheer Flüchtlingsschicksale

Mit dem Fahrrad im Ansiedlungsgebiet

von Walter Samide,
Langenton,
gest. 1982 in Klagenfurt

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Ich habe in meiner Amtszeit in Cilli, Untersteiermark, im Monat September 1941 Gelegenheit gehabt, mit Angehörigen des An­siedlungsstabes in Rann verschiedene Gespräche zu führen. Gespräche, die besonders mein Interesse geweckt haben bezüglich der Ansiedlung der Gottscheer in der Untersteiermark. Von den Gottscheern selbst hab ich ja nicht erfahren, wohin sie umge­siedelt werden. Diese haben ja meistens daran geglaubt, was man ihnen gesagt hat, daß sie irgendwohin nach Deutschland kom­men würden. Ich bin der Sache auf den Grund gegangen und habe in Erfahrung gebracht, daß die Gegend von Rann als Ansiedlungsgebiet zur Verfügung gestellt wird, welches im Herbst 1941 von den Slowenen geräumt wurde. Ich habe dann im Oktober 1941 mir sagen lassen, in welche Gebiete besonders die Gottscheer kommen sollen.

Eines Sonntags bin ich mit mei­nem Fahrrad nach Rann gefahren und hab mir diese Gebiete angeschaut. Mit dem Fahrrad. Besonders die Dörfer in der Umgebung von Rann, links und rechts der Save und der Gurk. Und überall, wohin ich gekommen bin, hab ich gesehen, daß die Dörfer leer waren, verlassen von den Slowenen, die von dort aus-gewiesen wurden. Umgesiedelt wurden. Alles hat ein sehr trau­riges Bild gemacht. Auch die Leute, die dort zurückgeblieben sind, bzw. von der deutschen Behörde eingesetzt wurden, um das zurückgelassene Vieh zu versorgen, vermittelten es. Überall das selbe Bild. Verlassene Dörfer, verlassene Häuser, kaum ein Fenster ganz, Türen beschädigt und so weiter. Also, ich hab genug gesehen, um mir ein Bild zu machen von dem Gebiet, wohin die Gottscheer kommen sollen.

Ich habe dann, besonders meiner Familie, also meinem Vater, der noch in Langenton war und selbstverständlich auch umgesiedelt ist, im Dezember 1941 davon erzählt, aber selbst er hat mir keinen Glauben geschenkt. Überall hat man noch geglaubt, sie werden irgendwohin nach Deutschland kommen, was man ihnen vorgegaukelt hat, in ein besseres Gebiet. Und wie ich dann im Dezember gehört habe, daß die ersten Umsiedler in die Gegend von Rann gekommen sind, dann war meine Ansicht bestätigt, daß in dieses Gebiet, das ich mit dem Fahrrad bereist hatte, die Gottscheer kommen sollten. Ich bin mit Absicht nicht in dieser Zeit dorthin gegangen, denn man hat sich ja vorstellen können, was für Bilder da zum Vorschein kommen mußten. Das ist alles, was ich von dieser Zeit und in dieser Angelegenheit weiß.

Danke schön.

Diesen Beitrag hat der Regierungsrat Samide gegeben, der vor seinem Einsatz in Cilli in Belgrad tätig war. Im August wurde er durch das Finanzministerium in Berlin von Belgrad nach Cilli ver­setzt, wo er im Finanzamt arbeitete.

Quellenangaben:

1330 – 1941  Gottschee
Die ehemalige deutsche Sprachinsel
Heft 4 und 5

Bearbeitet von:
Wilhelm Lampeter und Ludwig Kren

Herausgeber:
Gottscheer Landsmannschaft in Deutschland
Weilheim 1994